Hausmittelchen, Pflanzenmythologie

Seit jeher fasziniert mich das Wissen um Pflanzen, mit deren Hilfe man oft ganz einfach die kleinen Wehwechen lindern kann. Ein paar davon kenne ich von meiner Oma - leider haben wir nicht genug aufgepasst, wenn sie uns von den Naturheilmitteln erzählte. Beim Durchstöbern von allerlei Gartenliteratur bin ich auf so manch interessante Geschichte aus der Götterwelt gestoßen. Kennen Sie auch Hausmittelchen und Heilpflanzen. Oder geheimnisvolle Erzählungen aus den Göttersagen?

Bitte beachten Sie: Bei den Hausmittelchen handelt es sich nicht um wissenschaftlich erprobte Heilpflanzen, sondern um überliefertes Wissen. Bei Verwendung können Allergien, Nebenwirkungen oder auch Dosierungsfehler mit gravierenden Folgen auftreten. Bitte fragen Sie vor Einnahme / Kauf Ihren Arzt oder Apotheker.

Adonis, Adonisröschen:
Der Name kommt aus der griechischen Göttersage: Adonis wird durch eine Nebenbuhlerin daran gehindert, Aphrodite zu lieben und musste zur Strafe sterben; Tja, aufgepasst Männer - Vor unerwünschten Wirkungen von Nebenbuhlerinnen wird hier ausdrücklich gewarnt - siehe Adonis!

Bärlauch:
Die alten Germanen waren davon überzeugt, dass Bärlauch das Kraut der Bären sei und somit Bärenkräfte verleihe. Nun, im zeitigen Frühjahr helfen die vitaminreichen Bärlauchblätter ganz bestimmt gegen die Frühjahrsmüdigkeit und der darin enthaltene Knoblauchwirkstoff ist ja auch gut für die Blutgefäße.

Bärlauch wächst reichlich in Auwäldern. Sein nach Knoblauch duftendes Aroma macht ihn in der Kräuterküche zu einem sehr beliebten und würzigem Kraut! Doch Vorsicht, die Blätter des giftigen Maiglöckens ähneln optisch denen des Bärlauchs, glücklicherweise unterscheiden sich beide Pflanzen sehr stark in ihrem Geruch. Bärlauchblätter soll man vor der Blüte ernten, sie sind dann am vitaminreichsten. Und wer Bärlauch einfrieren will, sollte das in einem gut verschließbaren Glas tun (sonst nimmt der ganze Inhalt der Gefriertruhe den Bärlauchgeruch an).

Birke: Dem Mädchen, das Mann liebt, steckt man am 1. Mai eine geschmückte Birke, wohl weil sie der german. Göttin Freya geweiht ist, die zuständig ist für Liebe, Fruchtbarkeit und dass sich die Männer zu Hause auch wohl fühlen.

Buchs, Buchsbaum, Buxus
„Der Buchs stellt dem Teufel ein Bein“ so lautet ein altes Sprichwort.
Jetzt also wissen wir, warum viele Menschen rechts und links ihrer Haustüre Buchsbäumchen aufstellen. Oder ist es doch mehr deswegen, weil der Buchs mit wenig Wasser und Nährstoff auskommt, auch im Winter schön grün ist, in hübsche Formen geschnitten werden kann und diese aufgrund seines Wachstums auch lange Zeit schön beibehält. Eine sehr alte und pflegeleichte Pflanze also.
An verschiedenen Stellen ist auch zu lesen, dass die lästige spanische Wegschnecke (das sind die roten und getigerten Vielfraße ohne Häuschen) Buchs meiden.
Im christlichen Brauchtum findet Buchs mindestens seit dem Mittelalter Verwendung. Wer kennt nicht die herrlichen Klostergärten mit ihren Buchseinfassungen. In der Osterzeit findet er Verwendung zusammen mit Weiden und ausgeblasenen Eiern. Auch die formalen Gärten der Schlossanlagen kommen ohne Buchs nicht aus.

Giersch, „Schättala“
Auch so ein lästiger Geselle, den man nicht loskriegt. Aber wenigstens riecht er angenehm, und gesund soll er auch noch sein – das zumindest steht in den Gartenratgebern. Leckeren Rahmspinat könne man daraus zubereiten – ich hab’s probiert und möchte meine Freundschaft zu Euch nicht durch Weiterempfehlen riskieren. Aber wer weiß, wann die nächste Hungersnot kommt und das Kraut ist ganz sicher gegen ABC-Kampfstoffe resistent. Wer es nicht kennt, ich geb gerne größere Mengen samt Wurzeln ab!

Gundermann, Gundelrebe
Das ist ein unglaublich lästiges Unkraut, das angeblich Kartoffelsalat verfeinern soll – igitt!!!! Wenn ich bloß dran denke, dass die Hände trotz Waschen noch Stunden nach dem Ausreisen von Gundermann nach Gundermann riechen.
Doch – legt frau einen Kranz aus Gundelrebe auf das Haupt ihres Liebsten, dann ist er so verhext, dass er ihr ewig treu ist. Also Mädels, hütet Euch vor Männern, denen ihr Gundermann aufs Haupt legen dürft! Ob das der Richtige ist, der sich das stinkende Unkraut aufs Haupt legen lässt? Und dann kriegt ihr nicht mal mehr los! Wer Gundermann trotzdem verwenden möchte, bitte – in meinem Garten ist genug davon!

Holunder, Holder, Hollerbusch
Heilender Holunder - Dieser Begriff deutet in der Tat auf wertvolle Inhaltsstoffe hin, die in der überlieferten Volksmedizin von Alters her ihren Platz haben. Doch Vorsicht: roher Holunder ist giftig! Das im Holunder enthaltene Samburgin zersetzt sich erst bei ausreichender Erhitzung.
Dem Holunder wird ein hoher Vitamin-C-Gehalt nachgesagt. Zum Einsatz kommt er bei Erkältungskrankheiten, er wird angewendet, um den Schleim aus der Kehle und den Bronchien leichter abzuhusten zu können. Dabei kann man den wohlschmeckenden Blütentee trinken – was den Nebeneffekt hat, dass man ausreichend Flüssigkeit zu sich nimmt, dadurch leichter schwitzt und der Schleim weniger zäh ist.
Ich persönlich bin ein Fan von Holder-"Pudding", wohl auch weil mir das Trocknen der Blüten zu aufwändig ist. Am besten man friert im Herbst einen gewissen Vorrat an Holunderdolden ein, das arbeitsintensive Abstreifen der Beeren kann man sich sparen. Bei Bedarf gebe ich gleich die gefrorenen Dolden mit etwas Wasser in den Schnellkochtopf, erhitze bis sich das Dampfventil öffnet, und koche dann die gesammelte Flüssigkeit noch mal mit Zucker (oder Süßstoff) und Speisestärke auf. Heiß gegessen wirkt's am besten. Das Gericht zählt zugegebenermaßen nicht gerade zu den kulinarischen Highlights, aber die besonders gesunden Sachen sind leider nicht immer die wohlschmeckendsten. Noch ein Tipp: Bei Verwendung des Gemüseeinsatzes kann man die Dolden und Beeren mit einem Griff rausnehmen und läuft nicht Gefahr, die nächsten Tage mit violett verfärbten Fingern rumlaufen zu müssen.
Holdermarmelade ist natürlich auch sehr gesund – aber das Abstreifen der Beeren ist eine Mordsarbeit!
Mhm – und dann wäre da noch Omas Holdersekt, der zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen zählt. Nie wieder hat mir ein Getränk so gut geschmeckt. Wasser, Holunderblüten, Zitronenscheiben, Zucker und Obstessig hat Oma in einem großen weißen Emaille-Kübel angesetzt, mit einem Tuch bedeckt und dann mussten wir 3 Tage warten zumindest theoretisch. Aber praktisch haben wir immer schon vorher den Saft stibizt, am 3. Tag war nix mehr da, was hätte gären und moussieren können. Wahrscheinlich hat Oma das alkoholische Getränke einfach rechtzeitig unserem Zugriff entzogen. War sicher ganz gut so, denn Alkohol für Kinder – na ja! Leider ist die genaue Rezeptur verloren gegangen…Schluchz
Der christlichen Überlieferung nach hat sich Judas nach seinem Verrat an einem Holderbaum erhängt (in der Bibel selbst findet sich dazu allerdings nichts, da steht nur: ging hin und erhängte sich). Daraus hat sich im Laufe der Zeit die Hoffnung entwickelt, dass Holder vor Verrat und Untreue (des Ehemannes?! ) schützt. Früher waren in jedem Bauernhof reichlich Holderbüsche. Was Wunder: der wächst ja auch, ob man ihn will oder nicht. Kaum glaubt man, ihn ausgehackt zu haben, schon treibt er trotzdem wieder aus. Holunder zählt zu den Hausbäumen, welche die Bewohner vor Unheil beschützen sollen.
Im Märchen wohnt Frau Holle in einem Holderbusch. Im Frühjahr, wenn der Wind die weißen Blütensternchen wegweht, kann man sich richtig vorstellen, wie die fleißige Maid bei Frau Holle die Betten aufschüttelt und dabei Daunen vom Himmel schweben. Frau Holle wird auch als Totengöttin bezeichnet, wohl weil die fleißige Maid von der bösen Stiefmutter in den Brunnen gestoßen und und somit ertränkt wurde, bevor sie über eine unterirdische Blütenwiese zu Frau Holle gelangt ist, wo es ihr so gut ging, dass sie sich im Himmel glaubte. Abergläubische Menschen fürchten, dass man für das Umhauen eines Holderbusches mit dem baldigen Tod bestraft wird.
Bei den Germanen war der Holderbusch der Hausgöttin Freya gewidmet, die für den Schutz von Haus und Hof zuständig war, man glaubte, Holunder halte Blitzeinschlag vom Hause fern.

Johanniskraut

Beim Verreiben der gelben Blütensternchen samt Fruchtansatz tritt ein blutroter Saft zu Tage. Die Legende besagt: Als Herodes Johannes den Täufer köpfen ließ, floss sein Blut auf die Erde. An dieser Stelle wuchs eine Pflanze mit gelben Blütensternchen, die das Blut des heiligen Johannes in sich bergen. Johanniskraut sollte in keinem Kräuterbuschen fehlen. Es wächst reichlich auf kargen Böden, ich durfte ein paar Wurzeln auf unserer Bauschuttdeponie ausgraben, seither hat sich die Pflanze an mehrern Stellen unseres Gartens ausgebreitet.

Narzisse
Der Name kommt aus der griechischen Myhthologie. Die Eine Nymphe begehrt den schönen Narziss, der durch die Fluren streift und ansonsten nichts tut, außer schön zu sein. Der jugendliche Beau verschmäht ihre Zuneigung, weil er so sehr in sein Spiegelbild und seinen knabenhaft-athletischen Körper verliebt ist, dass er niemand anderen lieben kann. Aus Strafe wird er in eine schnell welkende Blume verzaubert, die im zeitigen Frühjahr (des Lebens?) mit ihrer Schönheit und ihrem Duft für kurze Zeit die menschlichen Sinne erfreut.

Phlox
Man kann die Blüten mit Puderzucker bestäuben, kandieren und dann zum Verzieren von Torten verwenden, schmecke sehr lecker uns sähe hübsch aus – aber das Kandieren – wie macht man das eigentlich? Ich hab mal ein/zwei Blütenkelchchen roh genascht, hat gut geschmeckt – aber mehr hab ich mich nicht getraut, denn in der Zeitung hat nicht gestanden, ob die Blüten auch roh genießbar/ungiftig sind.

Spitzwegerich
Unter den Wegerichbrüdern (Breitwegerich, Mittlerer Wegerich und Spitzwegerich) ist er der bekannteste. Die Wirkungsweise ist bei allen aber ziemlich ähnlich. Sein Hauptanwendungsgebiet sind die Erkältungskrankheiten. Spitzwegerichtee ist ein guter Hustenlöser. Seine frischen Blätter kann man sehr gut einsetzen bei Insektenstichen. Die Blätter ausdrücken und auf den Stich geben, hilft gegen die Schwellung und den Juckreiz. Und das ist ein Mittel, das in der freien Natur praktisch überall zur Verfügung steht.

Thymian wird als Küchenkraut und als Heilkraut eingesetzt. Er löst den Schleim aus den Atemwegen und ist folglich auswurffördernd. Weiters verfügt er über "antibakterielle" Eigenschaften und eignet sich daher bei Schnupfen und Erkältungen.

Veilchen
als Zeichen der Weiblichkeit, Ausdauer und Bescheidenheit.
In der Antike war das Veilchen sogar eine heilige Blume. Es war dem Gott Pan geweiht und zu Ehren des Saturn wurden Veilchenkränze auf dem Kopf getragen.
Schon Hippokrates setzte das Veilchen für allerlei Beschwerden ein, unter anderem gegen Sehstörungen, Kopfschmerzen und Melancholie.
In der heutigen Naturheilkunde wird das Veilchen vorwiegend bei Beschwerden der Atemwege, z.B. Husten und Bronchitis eingesetzt.

Wegwarte
Ein trauriges Märchen von einer schönen, unschuldigen Maid, deren Treue von ihrem Prinzen verraten wurde.
Der Prinz hatte sich in ein bürgerliches Mädchen von außergewöhnlichem Liebreiz, höchster Reinheit und Anmut verliebt und ihm ewige Treue geschworen. Die adeligen Eltern konnten das natürlich nicht dulden und hatten ihm den Umgang mit der unschuldigen Schönheit strikt verboten, was den Prinzen zunächst nicht weiter interessierte. Da holte die Königin ihren bösen Zauber hervor, verwandelte das Mädchen in eine unscheinbare Pflanze und verbannte diese auf magere Böden und Wegränder. Lediglich die strahlenden blauen Augen konnte die Königin nicht ganz wegzaubern… und wie bei jedem Zauber gibt es auch einen Gegenzauber. Wenn der Prinz käme und für die schöne Maid auf den Thron verzichtete, dann würde das Mädchen vom bösen Zauber erlöst. Nun, wie der Prinz sich entschieden hat, ist ja wohl klar. Immer noch sehen wir Wegwarte, wie sie mit ihren himmlisch strahlenden Blüten voll Hoffnung am Weg wartet, bis ihr Prinz kommt, um sie zu erlösen… - Männer!
Tja, während des Krieges, als die Menschen nichts mehr zu essen hatten, da sollen sie die Wurzel der Zicchorie verwendet haben, um daraus so was ähnliches wie Kaffee herzustellen. Das ist wohl nicht zur Nachahmung zu empfehlen.

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